Interkulturelle Fortbildung für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe

Am Samstag, 30.04.2016, fand im Bürgerhaus Alter Farrenstall eine Fortbildung für ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingsarbeit statt. Das ganztägige Seminar zum Thema „Interkulturelle Kompetenz“ wurde angeboten von der Caritas Rastatt und finanziert über einen Spendentopf des Rastatter Friedens.

Als Seminarleiterinnen fungierten die Sozialarbeiterinnen Nadine Sylla und Anne-Katharina Wittmann, die extra aus Berlin angereist waren. Frau Sylla arbeitet aktuell als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der katholischen Hochschule in Aachen in einem Forschungsprojekt zur Bildungsbeteiligung von Flüchtlingskindern. Ihre Interessensschwerpunkte sind Kolonialismus, Rassismus sowie Migration und Zugehörigkeit.

Frau Wittmann ist seit fünf Jahren in der politischen, Rassismus kritischen Bildungsarbeit in Peru und Deutschland aktiv. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind Rassismus, Gender und Globalisierung.

Bürgermeister Constantin Braun hatte es sich nicht nehmen lassen, die Seminarleiterinnen und die 14 Ehrenamtlichen aus den Bietigheimer und Durmersheimer Flüchtlingsinitiativen persönlich zu begrüßen und allen Beteiligten für ihr Engagement zu danken.

Nach einem auflockernden Kennenlern-Spiel und einer Vorstellungsrunde begann die eigentliche „Arbeit“, die extrem kurzweilig war, weil die Seminarleiterinnen verschiedenste Formen der Stoffvermittlung gewählt hatten – von Rollenspielen über Plenumsdiskussionen bis hin zu Filmeinspielern.

Die behandelten Themen deckten alle Bereiche ab, die für die Begegnung von Geflüchteten und Helfenden relevant sind:

Welche Formen von Diskriminierung und Privilegien lassen sich im alltäglichen Leben beobachten?

Welche Bilder werden in den Medien oder im eigenen Bekanntenkreis von Flüchtlingen vermittelt? Wie gehen wir damit um?

Wie gehen wir generell mit Stereotypen und Vorurteilen um?

Welchen Einfluss hat der Faktor Herkunft für ein „Vorwärtskommen“ in der Gesellschaft?

Welche Schwierigkeiten ergeben sich in der täglichen Arbeit für Helfende?

Schnell kristallisierte sich heraus, dass im Zentrum aller Betrachtungen die Frage stand, welche Faktoren erforderlich sind, um zwischen Helfenden und Geflüchteten eine Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen.

Ein Kurzfilm mit dem Titel „Single Story“ verdeutlichte sehr anschaulich, in welchem Maße das individuelle Bild von der vermeintlichen „Realität“ von eigenen Vorstellungen und Erfahrungen geprägt ist. Um eine Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen, ist es deshalb unerlässlich, sich immer wieder der unterschiedlichen Ausgangslage von Helfenden und Flüchtlingen bewusst zu werden.

Unterstützung auf Augenhöhe heißt in diesem Sinn, gemeinsam etwas zu unternehmen, zuzuhören, Geflüchtete als eigenständige Subjekte wahrzunehmen, die Eigenverantwortung der Geflüchteten zu stärken, Unterschiede wertzuschätzen statt sie zu bewerten, gemeinsame Erfahrungen wie Elternsein, Kindererziehung zu teilen, gesellschaftliche Regeln (auch ungeschriebene) nicht bloß zu formulieren, sondern so zu erklären, dass ihr Sinn verstanden wird.

In der abschließenden Rückmelderunde wurde deutlich, dass der Austausch mit „Gleichgesinnten“ von allen Teilnehmenden sehr positiv bewertet wurde, und dass das Seminar Perspektiven verändert und neue Energien und Hoffnungen für das Engagement freigesetzt hat. Das durchweg positive Feedback hat uns in dem Bestreben bestärkt, solcherlei Fortbildungen in unregelmäßigen Abständen auch zukünftig in Bietigheim anzubieten.

Herzlichen Dank an dieser Stelle noch einmal an den „Rastatter Frieden“, die Caritas, die Organisatoren, die Referentinnen und nicht zuletzt an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die diesen lebendigen Kurs ermöglicht haben.

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